Eine Chronologie: BundesBBK (Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler)
1. Erste Erklärung:
27.04.2009
Jurysitzung zum geplanten Einheits- und Freiheitsdenkmal in Berlin
532 Einsendungen – davon 17 % aus dem Ausland und geschätzt etwa 70 % generell aus Architekturbüros – mussten von der 19-köpfigen Jury beurteilt werden. Diese war schon ungewöhnlich zusammengesetzt: neben dem Beauftragten für Kultur und Medien und zwei Künstlern einige Prominenz aus dem Bundestag und der DDR-Wendezeit, ergänzt mit Historikern und Architekten.
Dank der hervorragenden Aufbereitung des Materials durch die Vorprüfer konnte das Verfahren zügig durchgeführt werden.
Nach Beendigung des 2. Durchgangs mit 126 Entwürfen, den kein Entwurf mit einer Empfehlung für die 2. Wettbewerbsstufe überstand, wurde nach kontroverser Diskussion einstimmig beschlossen, das Verfahren abzubrechen. Dem Bundestag soll nahe gelegt werden, einen Einladungswettbewerb auszuloben. Die ausgelobte Summe von 10 Mio. Euro führte bei sehr vielen Einreichungen zu einer Überdimensionierung der Entwürfe.
Für den BBK war Klaus Großkopf als Gast dabei.
2. sofort darauffolgend ein Brief eines Manheimer BBK-Mitglieds an den Bundesverband + Antwort durch dessen Vorsitzenden Werner Schaub:
„Matyas Terebesi“ schrieb:
An den Vorstand des BBK
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
ich denke, dass alle über das laufende Wettbewerbsverfahren für das Einheitsdenkmal am Berliner Schlossplatz informiert sind. In der Art, wie hier eine Jury über mehr als 500 Künstler und Künstlergruppen urteilt, ist an Arroganz und Willkür kaum zu überbieten. Da morgen, am 5. Mai um 17.00Uhr zur Ausstellungseröffnung im Kronprinzenpalais unter den Linden die Leiter der Kommission in Person von Mosbach, Thierse und Neumann anwesend sein werden würde ich mich sehr freuen, wenn auch der BBK als öffentliche Repräsentanz der Kunstschaffenden sich zu diesem Ereignis gesellen und mit bestem Wissen und Gewissen die Jury über die Annullierung des laufenden Verfahrens zur Rede stellen würde. Ich persönlich habe mit meinen Partnern mehr als 300 Stunden in diesen Wettbewerb investiert und finde das Verhalten der Jury mehr als demütigend. Die Ernsthaftigkeit, mit der behauptet wird, dass irgendwelche internationalen Kunststars, die ja auch die Möglichkeit gehabt hätten, sich an der Ausschreibung zu beteiligen, nun die Sache viel besser lösen können ist für jeden freischaffenden Künstler in dieser Republik eine schallende Ohrfeige. Ich denke es ist Aufgabe des BBK, den Verantwortliche hier entschieden entgegen zu treten.
Mit freundlichen Grüßen
Mátyás G. Terebesi
Bildhauer und Mitglied des Vorstandes des BBK Mannheim
Kolpingstraße 3
68165 Mannheim
tel(49)621 – 12 25 200
www.terebesi.de
Antwort des BBK-Vorsitzenden Werner Schaub:
Lieber Kollege,
dass es überhaupt einen offenen Wettbewerb gab, ist dem Bemühen des BBK zu danken. Auf die Zusammensetzung der Jury hatte der BBK leider keinen Einfluss. Allerdings hat Klaus Großkopf als Mitglied des Bundesvorstandes als Gast und Beobachter an der Jurysitzung teilgenommen, und er hat dazu eine Presseerklärung herausgegeben. Nach seiner Auffassung verlief das Verfahren absolut korrekt. Dass sich in einer Jury keine Mehrheit findet, um Bewerber in die nächste Stufe zu bringen, kommt selten vor, ist aber vom Verfahren her durchaus demokratisch legitimiert. Der BBK schlägt dem Auslober vor, dennoch solche Kollegen im Verfahren zu lassen, die nur eine Stimmen unter dem Limit von 50% lagen, auch wenn dieses Verfahren nicht üblich ist.
Dass dessen ungeachtet beteiligte Künstler enttäuscht sind, wenn sie nicht berücksichtigt werden. ist durchaus verständlich und kommt bei jedem Wettbewerb vor. Die Alternative wäre, wenn es keine Wettbewerbe mehr gäbe, aber dafür wird der BBK selbstverständlich nicht eintreten. Vielmehr setzt er sich dafür ein, dass so viele Wettbewerbe wie möglich stattfinden, damit viele Kolleginnen und Kollegen eine Chance haben.
Mit freundlichen Grüßen
Werner Schaub
3. nach den ersten Presseprotesten und differenzierten Darstellungen, sowie dem Bekanntwerden auch unserer Bemühungen, Licht in die Sache zu bringen:
Die Presseerklärung des Bundesverbandes
Keine Einheit erzielt für die Weiterführung des Wettbewerbs
Presse 07.05.2009
Über Kunst lässt sich bekanntlich trefflich streiten. Bei Wettbewerben für Kunst im öffentlichen Raum kann es auch in hochrangig besetzten Jurys divergierende Meinungen geben. Eine gute Jury aber zeichnet sich dadurch aus, in einer fachlich und professionell geführten Diskussion trotz unterschiedlicher Auffassungen zu einer vertretbaren Lösung zu kommen.
Dies ist der Jury für das „Einheitsdenkmal“ nicht gelungen, und seither schlagen die Wellen der Empörung hoch, nicht nur bei den Künstlern und Architekten, die an dem Wettbewerb teilgenommen haben.
Der Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler hatte sich im Vorfeld
bei den Verantwortlichen dafür eingesetzt, für dieses wichtige Denkmal einen
offenen zweistufigen Wettbewerb auszuschreiben, statt von einer kleinen Zahl
von Sachverständigen die üblichen zehn Verdächtigen benennen zu lassen. Mit
diesem offenen Verfahren sollte das kreative Potenzial der Republik in diesen Prozess eingebunden werden.
Deshalb ist es umso bedauerlicher, ja unverständlich, dass die Jury keinen
einzigen der über 500 Wettbewerbsteilnehmer in die zweite Stufe bringen wollte. Es ist eine Beleidigung der Kreativen in unserem Land, zumal am Rande auch zu hören war, es hätten sich wohl nur Unprofessionelle am Wettbewerb beteiligt.
Dies ist schlicht unwahr. Und solche Auffassungen sollten nicht dazu führen, in einem neuen, nachgeschobenen Wettbewerb nun ausschließlich solche Künstler und Architekten einzuladen, die sich diesem offenen Wettbewerb nicht stellen wollten – aus welchen Gründen auch immer.
Mag sein, dass bei der Benennung der Jurymitglieder deren Erfahrung in solchen Gremien nicht genug berücksichtigt wurde. Mag sein, dass die inhaltlichen Vorgaben der Ausschreibung zu weit gefasst und überfrachtet waren. Mag sein, dass die Zeitspanne zwischen Ausschreibung und Abgabetermin zu kurz war. Die Gründe für das Ergebnis, den Abbruch des Wettbewerbs, gilt es natürlich zu analysieren. Vor allem aber geht es jetzt darum, vernünftig darüber nachzudenken, wie es weitergehen soll. In Jedem Fall sollten die eingegangenen Wettbewerbsbeiträge in einer Publikation veröffentlicht werden, um diese vielfältigen Ideen zu einem deutschen Thema zu bewahren, aber auch um die aufwändige Arbeit der Teilnehmer angemessen zu würdigen.
Die Bundesarchitektenkammer und der Bundesverband Bildender Künstlerinnen
und Künstler haben deshalb in einem gemeinsamen Schreiben an Staatsminister Neumann und Minister Tiefensee angeboten, ihre Erfahrung einzubringen, um eine tragbare und vertretbare Lösung für das weitere Vorgehen zu finden.
Beide sind aufgerufen, von diesem Angebot Gebrauch zu machen.