Vom Parlament in Gestalt des Medienbeauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien wurden wir zu einem allgemeinen Ideenwettbewerb aufgerufen, welche politisch denkenden kreativen Menschen könnten sich dem Reiz dieser Einladung entziehen? Alle Künstler und Künstlerinnen, auch die weniger bekannten, durften ihren Beitrag zu diesem Wettbewerb leisten.
Anscheinend hat die Jury in zwei Rundgängen und in nur eineinhalb Tagen entschieden, dass das Wettbewerbsziel nicht erreicht wurde, keiner der 532 Teilnehmer und Teilnehmerinnen habe einen befriedigenden Vorschlag eingereicht – so hieß es zunächst – die wenigen dennoch akzeptablen Beiträge – so hieß es später – erreichten leider nicht das „Quorum“ von 20 Entwürfen, die man zur nächsten Stufe einladen wollte.
Bei der feierlichen Eröffnung der von vorneherein angekündigten Ausstellung haben die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der ersten Stufe ihrem Unmut deutlich Ausdruck verliehen, denn bei der Beurteilung blieb für einen jeden Vorschlag nur etwa 1 Minute Zeit. Offenbar waren aber auch die Jurymitglieder von diesen Bedingungen überfordert!
In den Reden zur Eröffnung wurde dann auch zugegeben, eine so komplexe Aufgabe wie sie dieser Wettbewerb stellt, hätte weit mehr Zeit gefordert. Musste das nicht von Anfang an klar sein? Weshalb wurde ihm dennoch solch ein enges Zeitkorsett verordnet?
Sogar der Standort wird wieder diskutiert und plötzlich soll die bereits mit dem Zeitraum der Freiheitsbewegungen von 1848 bis 1989 völlig überfrachtete Thematik auch noch eine europäische Bedeutung erhalten. Die Redner waren sich einig, man müsse von vorne anfangen, wie beim Holocaust-Denkmal. Bedeutet dies, dass man ein neues Auswahlverfahren finden oder einen neuen Wettbewerb ausschreiben will? Doch von den Vorschlägen der ersten Stufe oder zumindest den 142 des zweiten Rundgangs redete man dankbar als Ideenlieferanten. Will man sie doch irgendwie berücksichtigen?
Das aristokratische Prinzip, dass nur der Künstlerstar eine dem Denkmal angemessene Qualität garantieren kann – und darauf wollte man offenbar von vorneherein hinaus und das erklärt den engen Zeitrahmen – steht in diametralem Gegensatz zu den demokratischen Prinzipien, mit denen man angetreten ist und die man so eilig ad acta gelegt hat. Peinlicherweise für die Jury haben viele erfahrene Künstler und Architekten teilgenommen, schon weil die äußerst komplexe Thematik nicht von jedermann zu bewältigen war.
In diesem ganzen undurchdachten Verfahren des Ideenwettbewerbs ist die Missachtung der künstlerischen Arbeit der kritikwürdigste Aspekt. Die Damen und Herren der Jury sind für ein paar Stunden zusammengetreten und haben die mit großem Enthusiasmus erarbeiteten Beiträge in Bausch und Bogen diskreditiert. Die Künstler und Künstlerinnen stehen wieder einmal mit leeren Händen da. Konsequent wäre es, die Jury auszutauschen. Die Namen der KünstlerInnen der ersten Stufe sind jetzt jedoch bekannt, ein anonymer Wettbewerb mit ihnen ist nicht mehr möglich. Welcher prominente Künstler ließe sich beispielsweise zu den 142 des 2. Rundgangs dazuladen? Gar nicht vorstellbar. Dennoch unsere Forderung: Die Jury austauschen und mit den eingereichten Vorschlägen weiterarbeiten, eine Synthese finden!
Noch eine Anmerkung in eigener Sache: Mein Vorschlag in Verbindung mit der Florentiner Architektengruppe nEmo – ein 8 m hoher Tisch, dessen Unterseite gleichzeitig als Projektionsfläche dient – erfüllt meines Erachtens alle von der Ausschreibung des Wettbewerbs geforderten Voraussetzungen. Er entspricht als offene, den Besuchern Schutz bietende Form, dem Gedanken des europäischen Hauses und ist ein universales Symbol für alle Freiheitsbestrebungen, für die Versuche der die Einheit und Freiheit fordernden Bürgerinnen und Bürger, sich in Gesprächen und Diskussionen, um einen Tisch geschart, miteinander auszutauschen. Er passt in das neobarocke Umfeld des Schlosses und des Denkmalssockels, gerade wegen seiner klaren Form. Doch den Tisch kann theoretisch jetzt eigentlich niemand mehr vorschlagen. Wäre das nicht schade?
Fried Rosenstock
15. Mai 2009 um 18:00 |
Lieber Herr Rosenstock, danke für Ihren Beitag.
Die Jury hat sich ja als total oberflächlich und unprofessionell geoutet. Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass das Preisgericht mangels Qualifikation nicht in der Lage war eine Vorentscheidung zu treffen. Vor allem deshalb halte ich selbst den ersten Wertungsdurchgang für eine reine Lotterieentscheidung. Der Unterschied zu einer Lotterie ist nur, dass ein Lottoschein nicht bewertet wird, weil er nicht zu bewerten ist, er hat einfach die richtige Kombination und der garantierte Gewinn wird ausbezahlt! Im Grunde muss die Jury und nicht die Künstler ausgetauscht werden, da haben Sie recht!
Mit herzlichen Grüßen
Armin Guerino
19. Juni 2009 um 09:50 |
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
die rechtliche Aufarbeitung des Wettbewerbs zum Einheitsdenkmal in Berlin ist noch lange nicht abgeschlossen. Eine Klage wird gerade von einer Anwaltskanzlei in Mannheim vorbereitet. Natürlich hätte das Unternehmen eine wesentlich größere Tragweite, wenn es nicht bei einer Einzelklage bliebe sondern als Sammelklage eingereicht würde. Die Schadenersatzforderung der 532 zugelassenen Teilnehmer ist hierbei nicht das wesentliche Ziel, sondern ein neues Jurieren der eingereichten Arbeiten. Mit einer Sammelklage verspreche ich mir natürlich zu Wahlkampfzeiten eine größere Publizität, ob sich deshalb der Umgang generell mit Künstlern ändert bezweifle ich jedoch.
Alle Betroffenen, die sich der Klage anschließen wollen, mögen sich bitte per E-Mail terebesi@web.de an mich wenden.